Der Begriff Amo Issun no Tamamushi leitet sich ursprünglich vom sogenannten Juwelkäfer ab, dem tamamushi (玉虫), einem schillernden Insekt, das in Japan seit langer Zeit auch symbolisch für Schönheit, Zerbrechlichkeit und Kostbarkeit steht. Im Budō wurde das Bild jedoch oft verständlicher gemacht, indem man statt des Käfers die Vorstellung einer Biene benutzt. Nicht weil die ursprüngliche Bedeutung falsch wäre, sondern weil man das Gefühl dahinter mit der Biene unmittelbarer verstehen kann. Hält man eine Biene zu fest, wird sie stechen. Hält man sie jedoch mit Ruhe, Gefühl und genau dem richtigen Maß an Kontrolle, bleibt sie ruhig. Genau dieses Gleichgewicht beschreibt das Prinzip.
Im Training zeigt sich das zum Beispiel bei einem Gegner, der mit viel Kraft angreift. Viele Menschen reagieren darauf automatisch mit Gegendruck. Dadurch entsteht sofort Widerstand gegen Widerstand und der Konflikt eskaliert. Wendet man jedoch Amo Issun no Tamamushi an, versucht man nicht, den Gegner mit Gewalt zu brechen, sondern seine Bewegung so aufzunehmen und zu lenken, dass er sich zwar kontrolliert fühlt, aber nicht unmittelbar gegen eine harte Kraft ankämpfen kann. Der Gegner verliert dadurch oft von selbst seine Struktur oder Balance, ohne genau zu verstehen warum.
Ein einfaches Beispiel wäre ein Handgelenkgriff. Drückt man zu hart oder zu abrupt, spannt sich der Gegner sofort an und beginnt zu kämpfen. Arbeitet man jedoch mit Gefühl, Distanz, Winkel und Timing, entsteht eine Kontrolle, die kaum Widerstand hervorruft. Der Gegner bewegt sich beinahe freiwillig dorthin, wo man ihn haben möchte. Genau darin liegt die Subtilität dieses Prinzips. Nicht rohe Kraft kontrolliert den Konflikt, sondern das Verständnis für Balance, Druck, Rhythmus und das menschliche Verhalten.
copyright by Daishihan Sascha Uvira