Ichi go ichi e – Der Augenblick kehrt nicht zurück

 

Motivation entsteht nicht von allein. Oft verschiebt man Dinge auf morgen, wartet auf den richtigen Moment oder verliert sich im Alltag zwischen Müdigkeit, Stress und Bequemlichkeit. In diesen Momenten entscheidet sich, ob man seinen Weg weitergeht oder stehen bleibt. Oubaitori erinnert uns daran, dass jede Blume zu ihrer eigenen Zeit blüht. Niemand entwickelt sich gleich schnell und niemand sollte sich ständig mit anderen vergleichen. Im Bujinkan geht es nicht darum, besser zu sein als jemand anderes, sondern Schritt für Schritt an sich selbst zu arbeiten. Man lernt loszulassen, wie ein Baum seine Blätter gehen lässt, um im Frühjahr neu wachsen zu können. Doch dieses Loslassen sollte man nicht mit verpassten Chancen verwechseln. Es gibt Dinge, die man bewusst hinter sich lassen muss, um sich weiterzuentwickeln, und andere Momente, die niemals zurückkehren. Ichi go ichi e beschreibt dieses Bewusstsein, dass jede Begegnung, jedes Training und jeder gemeinsame Moment einzigartig ist. Im Kampf kann ein einziges Zögern bedeuten, etwas äußerst Wertvolles zu verlieren, unter Umständen sogar das eigene Leben. Genau deshalb lernt man im Budō, präsent zu sein und den richtigen Augenblick zu erkennen. Ähnlich verhält es sich auch im Leben. Verpasste Augenblicke und nicht getroffene Entscheidungen können Wege für immer verändern. Viele Chancen gehen verloren, weil Menschen glauben, später wäre noch genug Zeit. Doch manche Türen öffnen sich nur ein einziges Mal. Ein verpasstes Training, ein nicht geführtes Gespräch oder eine Gelegenheit, die man aus Angst, Zweifel oder Bequemlichkeit verstreichen lässt, kehrt oft nicht wieder zurück. Deshalb liegt in der Anstrengung auch etwas Wertvolles. Ziele werden nicht durch Wünsche erreicht, sondern durch Beständigkeit, Disziplin und die Bereitschaft, den Moment bewusst zu nutzen, solange er da ist. Wer immer nur wartet, bleibt oft stehen. Wer jedoch versteht, dass jeder Schritt Teil eines einzigartigen Weges ist, beginnt bewusster zu leben und zu trainieren. Alles hat seine Zeit. Das Lernen, das Verstehen, das Reifen und auch das Erreichen von Zielen. Der Weg im Bujinkan endet nie wirklich, weil man mit jedem Schritt nicht nur Techniken trainiert, sondern auch sich selbst begegnet.

Daishihan Sascha Uvira