
Mein Weg nach Japan begann Mitte der Neunzigerjahre durch die Familie Krummeich, insbesondere durch Professor Rainer Krummeich, der an der Reitaku Universität unterrichtete und mich erstmals nach Japan einlud, seine Frau Fumi unterrichtete in Yokohama an der Deutschen Schule, was den Bezug zu Deutschland zusätzlich verstärkte, zuvor betreute ich in Deutschland japanische Studenten und Studentinnen, die einen Vorkurs in der Jugendherberge Montabaur absolvierten und anschließend zum Studium nach Halle und Jena gingen, durch diesen Kontakt entstand die Möglichkeit eines direkten Austauschs, der mir schließlich meinen ersten Aufenthalt in Japan ermöglichte, ich erhielt eine kleine Wohnung, die normalerweise für Lehrkräfte vorgesehen war, und bekam so die Chance, das Leben vor Ort intensiv kennenzulernen, über diesen Austausch ergab sich auch die Möglichkeit, in einer japanischen Familie zu leben, dort versuchte ich die Sprache nicht nur theoretisch, sondern im Alltag zu lernen, ein Prozess, der mich bis heute begleitet und mir nach wie vor nicht leichtfällt, parallel dazu habe ich in Japan gelebt, um direkt an der Quelle zu lernen und ein möglichst tiefes Verständnis für die Kampfkunst zu entwickeln, ich bin täglich von Ageo in Saitama etwa eine Stunde nach Noda und Atago gependelt, eine Strecke, die Disziplin, Geduld und Hingabe gefordert hat und selbst Teil meines Trainings wurde, mein Ziel war es, regelmäßig bei Masaaki Hatsumi und den japanischen Shihan zu trainieren, weil dort nicht nur Techniken vermittelt werden, sondern vor allem Timing, Distanzgefühl Maai und das schwer greifbare Raumgefühl Kukan, ein besonders prägender Teil dieser Zeit war das Leben im Alltag mit den japanischen Familien Yanagisawa und Kakinuma, es wurde sich herzlich um mich gekümmert und ich durfte ein Stück echtes japanisches Familienleben erfahren, ich erinnere mich an den Vater von Hisako, der in Koga ein kleines Sportgeschäft betrieb, ich glaube es hieß Seven Sports oder Eleven Sports, ganz genau weiß ich es heute nicht mehr, und dort Tennisschläger und andere Sportartikel verkaufte, ebenso sind mir viele kleine Szenen bis heute lebendig geblieben, der Vater von Yuki, der kleine Mejiro mit einem Lockvogel und einer Kakifrucht fing, Mejiro ist der kleine japanische Brillenvogel, ein grüner Vogel mit dem typischen weißen Ring um das Auge, auch das tägliche Rufen der Niwatori am Morgen, das den Rhythmus des Tages bestimmte, der kleine Dackel Taro, der täglich vor der Haustür festgebunden war, und der Großvater, der direkt links neben der Eingangstür in einem kleinen Zimmer saß, mitten im Raum und scheinbar ununterbrochen vor dem laufenden Fernseher verweilte, gehören zu diesen Erinnerungen, besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch die Mutter von Hisako und Aya, sie bereitete mir jeden Morgen ein warmes Frühstück zu, Lachs, Brokkoli und Reis, und schlug ein rohes Ei über den Reis, für mich als Europäer war es zunächst äußerst ungewöhnlich, morgens warm zu essen, doch ihre Fürsorge war spürbar in jeder Geste, sie war stets bemüht, dass ich gut versorgt war, bevor ich zum Training aufbrach, ich bin noch heute der Meinung, dass es unabdingbar ist, die japanische Sprache zu lernen, weil sie viele Schlüsselfunktionen hat und zum Verständnis der Bewegungen hilft, um die wahre Essenz zu erfassen, mir wurde klar, dass außerhalb Japans oft nur die äußere Form weitergegeben wird, während man vor Ort die dahinterliegenden Prinzipien und Feinheiten wirklich versteht, durch das tägliche Pendeln und das Leben im japanischen Umfeld hatte ich die Möglichkeit, nahezu jeden Tag zu trainieren und aus verschiedenen Perspektiven zu lernen, was meine Entwicklung enorm beschleunigt hat, als ich dann wieder in Deutschland war, war es mir wichtig, diese Regelmäßigkeit beizubehalten und weiterhin nach Japan zu reisen, so flog ich oft ein bis drei Mal im Jahr dorthin und über die Jahre kamen zahlreiche Aufenthalte zusammen, im Jahr 2026 bin ich erstmals im Frühjahr mit meiner Tochter Alicia, die mit mir den gleichen Weg teilt und bereits im Alter von vier Jahren das erste Mal mit zum Training nach Holland reiste und nun in meine Fußstapfen tritt, gereist, im Herbst werde ich erneut alleine fliegen, und wie Masaaki Hatsumi im Training immer sagte, keep going, und genau das ist mein Weg, ich werde mich weiterhin bemühen, regelmäßig nach Japan zu reisen und meine jährlichen Aufenthalte dort zu verbringen, um meinen Schülern das bestmögliche Training zu bieten.
Daishihan Sascha Uvira
Shihan Oliver März

Über Daishihan Sascha Uvira
Sascha mit seiner japanischen Familie in Japan
Sascha Uvira begann im Alter von vier Jahren mit Judo und trainierte unter anderem im Karateverein Montabaur bei Rüdiger Maiborn, Aikido bei Uli Paul in Höhr-Grenzhausen und Jujutsu in Rhens bei Willi Macher. 1986 begann er sein Training im Bujinkan Budo Taijutsu. Neben seinen jährlichen Aufenthalten in Japan lebte er eine Zeit lang in der Präfektur Saitama (Japan) bei der Familie Yanagisawa in Ageo und bei der Familie Kakinuma, von wo aus er täglich nach Noda pendelte, um dort unter seinem Lehrer Dr. Yoshiaki Masaaki Hatsumi zu trainieren.
2002 erhielt er den Titel Shidoshi, einige Jahre später die goldene Bujinkan-Medaille, und heute trägt er den Titel Dai Shihan, was ihn zu einem der hochrangigen Lehrer im Bujinkan macht. Er trainierte außerdem weitere Stile wie das Mugai Ryu Iai Do unter Sensei Yanaga und Yagyu Shinkage Ryu unter Kajitsuka Sōke. Die meisten Bujinkan-Lehrer im Westerwald stammen aus seinem Dojo in Wirges, das zuvor bereits seinen Ursprung in Montabaur hatte.
Sascha Uvira unterrichtete weltweit auf Seminaren, um das Bujinkan zu verbreiten. 2018 schloss er sein Dojo in Wirges aus beruflichen Gründen. Durch einen Auslandseinsatz der Bundeswehr erlitt er eine Verwundung, die ihn dazu zwang, sein Dojo zu schließen. Dennoch hinderte ihn dies nicht daran, weiterhin Seminare zu geben und zu trainieren – beispielsweise beim Benefizseminar für die Ukraine in Diezenbach 2022. Eine Zeit lang unterrichtete er noch bei einem seiner ehemaligen Schüler im Dojo.
Neben zahlreichen Auszeichnungen aus Japan und von der Bundeswehr wurde Sascha Uvira am 10. Januar 2023 zudem vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten geehrt.