一歩引くことで見えるものがある
Ippo hiku koto de mieru mono ga aru
Es gibt Dinge, die man erst sieht, wenn man einen Schritt zurücktritt.
Im Bujinkan geht es nicht nur darum Bewegungen zu lernen, sondern darum den Augenblick unverfälscht wahrzunehmen. Chokkan beschreibt dieses unmittelbare Erfassen eines Moments, bevor der Verstand beginnt alles zu zerlegen und zu bewerten. Man erkennt Veränderungen im Gegenüber, spürt Unsicherheit, Zögern, Offenheit oder Chaos, ohne dass es ausgesprochen werden muss. Genau darin liegt ein wichtiger Teil des Trainings. Nicht jede Veränderung muss kontrolliert oder beantwortet werden. Nicht auf alles muss man reagieren. Oft entsteht Unruhe erst dadurch, dass Menschen glauben, auf jeden Impuls sofort antworten zu müssen. Doch manchmal liegt die eigentliche Klarheit gerade darin, einen Moment einfach stehen zu lassen und ihn bewusst wahrzunehmen, ohne ihn sofort verändern zu wollen. Worte können täuschen, doch Haltung nicht. Im Training beginnt man mit der Zeit Kukan wo yomu zu verstehen, das Lesen des Raumes. Dabei geht es nicht nur um Distanz oder Bewegung, sondern um das Wahrnehmen dessen, was zwischen den Menschen entsteht. Spannungen, Druck, Unsicherheit oder Leere verändern den Raum lange bevor eine Technik sichtbar wird. Ippo hiku bedeutet dabei nicht Flucht oder Schwäche. Oft beginnt genau in diesem Schritt das eigentliche Erkennen. Wenn man einen Schritt zurücktritt, verändert sich der Blick auf den Raum, auf das Gegenüber und auch auf sich selbst. Manche Dinge werden erst sichtbar, wenn man aufhört sie festhalten oder erzwingen zu wollen. Genau darin entsteht Ruhe und mit dieser Ruhe wächst die Fähigkeit klarer zu sehen. Vielleicht liegt genau dort ein Teil dessen, was man im Budō wirklich lernen möchte.
Daishihan Sascha Uvira